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Karolin Hagemann – Pitakowski de Grzymala ist Strafverteidigerin

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Interview mit Karo

Ja, genau richtig gehört sie ist StrafverteidigerIN. Eine weibliche Kraft in einem doch hauptsächlich männerdominierten Job. Nicht untypisch, dass sie sich als starke und selbstbewusste Frau in dieser Branche auch mal einen blöden Blick oder Spruch einfangen muss. Denn obwohl es für die meisten Menschen mittlerweile normal sein sollte, können viele immer noch nicht damit umgehen, eine Frau in einer höheren oder gleichgestellten beruflichen Position zu sehen.

 

Wir haben uns mit Karo getroffen und konnten einiges über ihren Job, ihr Studium und auch ihr Styling im Job erfahren:

Interview mit Karo

Karolin Hagemann- Pitakowski de Grzymala

 

 

Ich bin Karo, 36 Jahre alt und Strafverteidigerin.

 

Wie reagieren Menschen, wenn sie in einer alltäglichen Situation von deinem Beruf als Strafverteidigerin erfahren ?

Bei Fremden, die man zum Beispiel auf einer Party trifft, sind die Leute meist interessiert aber auch schockiert. Interessiert erstmal, weil sie sich unter dem Beruf nichts vorstellen können, beziehungsweise sich dass vorstellen, was man so aus US Anwaltsserien kennt.

 

Laut Klischees ist der Beruf des Strafverteidigers „Männersache“, wieso?

Ab dem Zeitpunkt, an dem ich mich entschlossen habe Jura zu studieren, wusste ich ja noch nicht, dass ich Strafverteidigerin werden will. Ich wusste nur, dass ich Juristin oder Staatsanwalt werden wollte. Da hat sich diese Gender-Frage noch gar nicht so gestellt. Im Amt des Richters zum Beispiel arbeiten viele Frauen. Erst im weiteren Verlauf meines Studiums, als mir bewusst wurde, das ist mein Interessenschwerpunkt, habe ich angefangen mich mit der Männerdomäne im Strafrecht auseinander zu setzen. Der Strafverteidiger ist zu 80 Prozent männlich.

 

Also war es für dich nach deiner Auseinandersetzung mit der Thematik OK deinen Platz in dieser „Männerwelt“ zu suchen?

Ich wollte die ganze Zeit in diese Welt, aber es war in der Tat abschreckend. Gerade wenn ich mich mit Bekannten, Kommilitonen oder berufserfahrenen Strafverteidigern unterhalten habe, wurde mir eigentlich durch die Bank weg davon abgeraten. Eben auch weil es eine Männerdomäne ist.

 

War der Drang sich zu Beweisen dann größer?

Ja, ich habe vieles ausprobiert, unter anderem klassische juristische Jobs, in die ich während des Referendariats reinschnuppern konnte. Und als ich merkte, dass ich nichts anderes machen wollte als Strafverteidigung. Dann kam der Punkt an dem es mir egal war, dass es eine Männerdomäne ist, und mir jeder davon abrät.

 

 

Siehst du das hauptsächlich theoriebasierte Studium als eine gute Grundlage für deinen Beruf?

Ich glaube nicht, dass das Studium zu theoretisch oder zu wenig praktisch ist, sondern dass das deutsche Jurastudium grundsätzlich einer Erneuerung bedürfte. Wie das Ganze genau aussieht kann ich auch nicht sagen, aber das Studium war definitiv nicht die schönste Zeit! Ganz im Gegenteil, alles was danach kommt ist nicht so schlimm und nicht so stressig wie dieses Studium.

 

Findest du es sollte mehr Frauen in deinem Berufsfeld geben?

Ja auf jeden Fall, weil einfach der Markt da ist.

 

Bekommst du öfter mal einen doofen Spruch über dein Geschlecht zu hören?

Ständig und immer wieder! Das sind meistens so Macho-Sprüche, da wird halb geflirtet und halb geflachst. Von anderen Kollegen aber auch von Mandanten, das ist bei mir wirklich an der Tagesordnung. Darüber muss man aber hinweggehen oder eben kontern. Das gehört auch zum Job.

 

Wie hat sich dein Privatleben durch deinen Beruf und auch deine Selbstständigkeit verändert?

Ich war zunächst angestellte Rechtsanwältin, wodurch sich schon einiges geändert hat. Gerade zwischen Studium, Referendariat und wenn man dann wirklich im Beruf steht, wandelt sich Einiges. Durch die Selbstständigkeit hat sich alles geändert. Man hat plötzlich ganz andere Aufgaben, die man vorher vielleicht gar nicht so auf dem Schirm hatte. Und diese Aufgaben waren, was die Selbstständigkeit anbelangt, das Prägende.

 

Wie hast du den Mut aufgebracht dich selbstständig zu machen?

Ich glaube da ist es so wie mit den meisten Entscheidungen im Leben: wenn man irgendwann zu der Erkenntnis kommt, dass man das machen will, und nur das machen will, dann bringt man dafür auch die Kraft auf! Wenn man sich nicht sicher ist, funktioniert das ganze nicht. Denn mit halber Energie ist es um einiges schwieriger. Man muss von dem ganzen schon vollständig überzeugt sein, dass es das ist was man will, und dass es das ist, was man kann und dafür das nötige Durchhaltevermögen hat. Und das kann man nur haben, wenn man davon überzeugt ist!

 

Was würdest du Frauen raten um mutiger, stärker und selbstbewusstester zu werden?

Hört erst mal wirklich in euch rein. Was will ich eigentlich? Nicht, was will die Gesellschaft, meine Freunde oder mein Partner, sondern womit wäre ich wirklich glücklich. Und erst wenn man an den Punkt gekommen ist, kann man seine Träume umsetzten.

 

 

Interview mit Karo

 

 

 

Welche Rolle spielt das Team, in deinem Fall deine 3 Kollegen, für den eigenen Erfolg?

Generell würde ich sagen, ist das Team das Wichtigste! Denn meiner Meinung nach ist der Austausch mit dem Team oder im Team das, was einen auf lange Sicht erfolgreich macht.

 

Wer oder was ist deine Inspirationsquelle? Hast du ein Vorbild?

Im Beruf habe ich absolut kein Vorbild. Ich will meine eigene Verteidigerpersönlichkeit sein. Aber wenn ich ein Vorbild nennen müsste, dann wären es meine Kanzleipartner, jeder von Ihnen. Im Privaten ist meine Mutter mein Vorbild, ganz einfach, weil sie zwei Kinder großgezogen hat und auch selbstständig war. Das imponiert mir und das hat mir auch die Kraft und Überzeugung gegeben, dass man das auch meistern kann!

 

Ist Mode generell ein Thema mit dem du dich gerne auseinandersetzt?

Ja auf jeden Fall!

 

Wie drückst du deine Persönlichkeit über deine Looks aus?

Ich glaube jeder macht das gewissermaßen. Ich persönlich ziehe mich im Job immer formell an auch wenn es nicht erforderlich ist. Aber ich würde jetzt keine Schuhe oder Handtasche anziehen die ich privat nicht tragen würde und so sieht es auch mit dem Make-Up aus. Also alle Business Klamotten würde ich immer anders kombiniert auch privat tragen.

 

Ist es für dich schwierig dich modisch in deinem Job zu kleiden?

Ja also am Anfang war das schwierig, weil man eben nicht genau wusste was geht und was geht nicht. Das ist aber auch auf andere Bereiche zu übertragen: Am Anfang weiß man ja auch nicht wie genau man sich verhalten soll. Ich denke das geht in die selbe Richtung. Mittlerweile fällt es mir überhaupt nicht mehr schwer. Natürlich ist die Auswahl begrenzt, aber ich fühle mich nicht beschnitten.

 

Was ist dein Lieblingsteil von Oh April & wieso?

Das ist einmal der Jogger, aber auch der schwarze „In Girls we Trust“ Hoodie. Den Jogger kann man für einen Office Tag gut kombinieren. Ich finde Frauen sollten Frauen unterstützen! Privat und im Beruf, ganz egal in welcher Branche. Auch wenn wir Frauen lange dafür kämpfen mussten, sollte es heute im 21. Jahrhundert kein Problem mehr für uns sein, den eigenen Traumberuf ausleben zu können, egal ob dieser eigentlich „Männersache“ oder eine für Frauen untypische Führungsposition ist!

 

Interview mit Karo

 

Karo hat uns einen Einblick gegeben wie hart aber auch wie schön der Job als Strafverteidigerin und auch generell der Job als Frau in einer dominierten Männerwelt sein kann. Habt keine Angst vor dem was andere denken und sagen könnten, sondern folgt eurer Leidenschaft. Also Mädels träumt nicht euer Leben, sondern lebt euren Traum!

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